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Traditionsverband der aktiven und ehemaligen Soldaten
des Wachbataillons beim Bundesministerium der Verteidigung
und seiner Förderer, sowie der ehemaligen Angehörigen und Freunde
der in der Tradition stehender Garde-Regimenter

FORUM


Die „Gruppe Rheinland“

im Semper talis Bund

Die Gruppe Rheinland ist eine Unterorganisation des Semper talis Bundes e. V. (vergleiche § 4a der Satzung des Semper talis Bundes). Sie ist zuständig für die zusätzliche Betreuung der Mitglieder, die ihren Wohnsitz im Rheinland haben und schriftlich eine Betreuung durch die Gruppe Rheinland beantragen. Auch Mitglieder aus anderen Bereichen können schriftlich die zusätzliche Betreuung durch die Gruppe Rheinland beantragen.

Die Mitglieder der Gruppe Rheinland wählen für ihre Betreuung einen Gruppensprecher, einen stellvertretenden Gruppensprecher sowie einen Schriftführer und Kassenwart.

Während der Mitgliederversammlung der Gruppe Rheinland im Semper talis Bund am 30. Juni 2017 wurden in ihrem Amt bestätigt:



Gruppensprecher
Oberstleutnant a. D.
Volker Künanz

gruppe-rheinland@semper-talis-bund.de
stv. Gruppensprecher
Oberstabsfeldwebel d. Res.
Wolfgang Weiland
Schriftführer und Kassenwart
Hauptmann a. D.
Werner Schober


Veranstaltungen der Gruppe Rheinland

Die Mitgliederversammlung am 27. November 2020 musste wegen der Corona Pandemie leider abgesagt werden.

 

Nähere Informationen folgen in Kürze

 

Ihr Sprecher Hauptmann a.D. Werner Schober

 

 

                                                  NACHRUF

 

            Brigadegeneral Bodo Blaas  * 15.11.1944  + 26.06.2020

 

 

                         Sein Herz schlug für das Wachbataillon

 

Als der junge Mann aus Gummersbach nach seinem Abitur im April 1965 beim Ausbildungsregiment in Budel / NL seinen Dienst in der Luftwaffe antrat, da wusste er noch nichts vom Wachbataillon. Aber das sollte sich bald ändern.

 

Nach der Ausbildung zum Offizier wurde er zwei Jahre später als Zugführer in die Luftwaffenkompanie des Wachbataillons nach Siegburg versetzt. Es sollte die längste Stehzeit in einem Verband in seiner ganzen Offizierlaufbahn werden. Denn dort wurde er nach seiner Verwendung als Zugführer auch Kompaniechef und blieb so insgesamt fünfeinhalb Jahre bis zum Oktober 1973 in seiner 5. Kompanie.

 

Dieser, für einen Offizier lange Verwendungszeitraum im Wachbataillon hat ihn geprägt und seine dominanten Charaktereigenschaften des Durchsetzungsvermögens, der Hartnäckigkeit im verfolgen von Zielen, aber auch der Fürsorglichkeit für die ihm anvertrauten Soldaten, stark gefördert.

 

So ging Bodo Blaas nach seiner Zeit im Wachbataillon einen steilen Karriereweg in der Luftwaffe, der seiner besonderen Fähigkeit Menschen zu führen, mehrere Verwendungen im Bereich der Personalführung, aber auch in Ausbildung und Organisation der Luftwaffe bis hin zum Stabsabteilungsleiter im BMVg, Rechnung trug.

 

Seine geliebte Luftwaffenkompanie und das Wachbataillon hat er in all den Jahren seines Dienstes aber nie aus den Augen verloren. So war er viele Jahre im Vorstand des Semper talis Bundes tätig und bis zu seiner Erkrankung vor vier Jahren Motor und steter Teilnehmer an den jährlichen Treffen von Aktiven und Ehemaligen seiner 5. Kompanie.

 

Und so wollen wir Bodo Blaas in Erinnerung behalten, wie er es auch in seinem Lebensmotto ausgedrückt hat: „Freuen wir uns nicht zu spät“!  Und wie es in den beiden Liedern zum Ausdruck kam, die bei seiner Beisetzung erklangen:

„I did it my way“ und das Trompetensolo vom „Guten Kameraden“!

 

Oberst a.D. Stefan Schäfer, Oberstlt a.D. Volker Künanz

 

 

 

Erster Stammtisch in der OHG Brückberg-Kaserne Siegburg

Am 31 Januar 2020 kamen viele Kameraden zu unserem ersten Stammtisch in den Räumen der OHG Brückberg-Kaserne. Bei den angeregten Gesprächen war das Hauptthema die Veranstaltungen im Jahre 2020, insbesondere unsere Exkursion und die Teilnahme an der Bundestagung in Berlin.

Copyright  Semper talis Bund, Hptm a.D. Werner Schober

Wir bedanken uns beim Vorstand der OHG Brückberg-Kaserne, dass wir unsere Veranstaltungen in ihren Räumen im gewohnten Rahmen fortsetzen können.

 

Hauptmann a.D. Werner Schober

 

 

Alle Jahre wieder ...

Die Vorweihnachtszeit ist auch die Zeit zur Besinnung und des Rückblicks. So ist es jährliche Tradition, dass die Gruppe Rheinland in dieser stimmungsvollen Zeit zum Jahresabschlussessen in das Unteroffizierheim der Brückberg-Kaserne in Siegburg einlädt.In diesem Jahr kam aber etwas Wehmut dazu, denn es war unsere letzte Veranstaltung im Unteroffizierheim – zum Jahresende wird es für immer geschlossen.

Copyright  Semper talis Bund, OStFw d.R. Weiland 

Auch in diesem Jahr konnte unser Gruppensprecher Oberstleutnant a. D. Volker Künanz unseren Bundesvorsitzenden Oberstleutnant Kai Beinke begrüßen, der zu diesem Anlass wieder aus Berlin zu uns gekommen war. Besonders aber begrüßte er die anwesenden Damen, den ehemaligen Vorsitzenden des von Rohdich‘schen Legatenfonds, Oberst d. R. Albrecht Schwabe und als Gäste ehemalige Angehörige der 5. Kompanie, die in den 1960er Jahren in der Kompanie gedient haben.

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Copyright  Semper talis Bund, OStFw d.R. Weiland 

In einer kurzen Ansprache berichtet Oberstleutnant Beinke über wesentliche Ereignisse im Wachbataillon und gab einen Überblick auf das kommende Jahr 2020. Das Schrippenfest wird im nächsten Jahr am 14. Mai , wieder in Verbindung mit der Bundestagung des Semper talis Bundes in der Julius-Leber-Kaserne Berlin stattfinden.

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Copyright  Semper talis Bund, OStFw d.R. Weiland 

Dann wurde es auch Zeit, das wieder vom Kantinenpächter Herrn Budzinski prächtig zubereitete kalt-warme Buffet zu eröffnen. In diesem Jahr hatte er es besonders gut gemeint, so dass es keine Wünsche offen lies.

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Copyright  Semper talis Bund, Hptm a.D. Werner Schober 

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Copyright  Semper talis Bund, OStFw d.R. Weiland 

Bei guten Gesprächen verging die Zeit wie im Fluge. Mit den besten Wünschen für ein gesegnetes Weihnachtsfest und ein Wiedersehen im neuen Jahr verließen auch die Letzten kurz vor Mitternacht die Kaserne.

An dieser Stelle möchten wir uns recht herzlich bei dem bisherigen Kantinenpächter, Herrn Wolfgang Budzinski für die jahrelange hervorragende Unterstützung bei unseren Veranstaltungen bedanken. Für uns steht aber fest, auch im nächsten Jahr wird es wieder ein Jahresabschlussessen der Gruppe Rheinland im Semper talis Bund geben.

 

Hauptmann a.D. Werner Schober

 

   

Die Sonne meinte es wieder gut …

                                         

                                          Grillabend am 28. Juni 2019

                                                    

Es war heiß, aber unter den Sonnenschirmen konnte man es auf der Terrasse des Unteroffizierheimes in der Brückberg-Kaserne in Siegburg aushalten. Trotz dieses Badewetters hatten sich Kameraden mit Ihren Frauen eingefunden, um ein paar schöne Stunden gemeinsam zu verbringen.

Copyright  Semper talis Bund, OStFw d.R. Weiland 

 

Zur Begrüßung der Gäste war unser erster Sprecher, Oberstleutnant a.D. Volker Künanz, gekommen. Nach einem kurzen Rückblick auf unsere Exkursion auf den Spuren der Varusschlacht nach Kalkriese musste er sich leider wegen anderer Verpflichtungen wieder verabschieden.

Copyright  Semper talis Bund, OStFw d.R. Weiland

Copyright  Semper talis Bund, Hptm a.D. Werner Schober 

 

Nach diesem offiziellen Teil wurde, wie von allen bereits freudig erwartet, der Teil „Grillabend“ eröffnet. Oberstabsfeldwebel d. R. Wolfgang Weiland und Hauptmann a. D. Werner Schober hatten wieder mit Unterstützung ihrer Frauen alle Vorbereitungen getroffen – so, dass neben saftigem Fleisch und Würstchen auch leckere Salate auf die hungrigen Gäste warteten. Natürlich war auch „Flüssiges“ in ausreichender Menge und Vielfalt vorhanden.

Copyright  Semper talis Bund, Hptm a.D. Werner Schober 

Copyright  Semper talis Bund, Hptm a.D. Werner Schober 

 

Bis in den späten Abend wurde bei angeregten Gesprächen zusammen gesessen, wobei nicht nur die diesjährige Bundestagung in Berlin und unsere Exkursion thematisiert wurden.

Copyright  Semper talis Bund, Hptm a.D. Werner Schober

Copyright  Semper talis Bund, OStFw d.R. Weiland

 

  Hauptmann a.D. Werner Schober                   

                                      Hermann, the German!

 

 Exkursion der Gruppe Rheinland auf den Spuren der Varusschlacht

 

Wie in der Vorstandssitzung Anfang 2019 angedeutet, bei den Exkursionen der Gruppe Rheinland nicht immer „die Schlachten von gestern“ zu schlagen, habe ich in einer Freitagsrunde empfohlen eine Schlacht von „vor-vor-vorgestern“ zu schlagen: Die Varusschlacht! Meine Befürchtung, dass das Interesse wegen Bekanntheit nicht allzu groß sein würde, traf nicht zu. Der Vorschlag angenommen! Ich weise darauf hin, dass ein Truppenübungsplatzaufenthalt in Sennelager unweigerlich zu einem Besuch des Hermannsdenkmals als Wochenendeinlage führte und deswegen eine zwar späte, aber notwendige historische Aufklärung nötig sei. Dabei hilft mir das Buch „Die Varusschlacht“ von Christian Pantle. (List, ISBN 978- 3-548-60978-3 Alle Sätze oder Satzteile in Anführungszeichen sind Zitate aus diesem Buch).

 Vorbereitender historischer Überblick ist notwendig: Rom hat die Gebiete westlich des Rheins unter sicherer Kontrolle. Die dort lebenden germanischen Stämme kooperieren mit den Römern. Rom beabsichtigt aber sein Herrschaftsgebiet während der Regierungszeit des ersten Kaisers Augustus bis an die Elbe auszudehnen. Auf Grund des immer größeren Herrschaftsgebietes stellen die Römer „Auxiliartruppen“ auf, rekrutiert aus Angehörigen der jeweils unterworfenen Stämme. Diese werden entsprechend der römischen Einsatzgrundsätze ausgebildet und ausgerüstet. Auf diese Weise kommen auch zwei Brüder vom Stamm der Cherusker nach Rom. Wir kennen ihre germanischen Namen nicht, wohl aber ihre römischen: der eine ist Arminius, der andere Flavus.

 Wir fahren am 26.06. um 09.30 Uhr in Siegburg ab. Busfahrer Kamerad Michael Frohwein! Wer sonst? Ich verteile einen „Steckbrief“ aller beteiligten römischen Feldherren und gebe einen Überblick über die Gliederung einer Legion zur historischen Zeit unserer Exkursion.

 Eine Legion umfasst 10 Kohorten. Die 1.Kohorte, zur Verfügung des Legaten, für besondere militärische Aufträge und Leistungen. (Vergleichbar Brigadeeinheiten) Stärke: 5 Doppelzenturien zu 160 Mann, also etwa 800 Mann. Die 2. bis 10.Kohorte, die Infanterie der Legion, besteht jede aus 6 Zenturien á 80 Mann. Daraus ergibt sich die Gesamtstärke: 6 x 80 x 9 = 4320 + 800 = ca. 5000 Mann, rekrutiert ausschließlich aus römischen Bürgern. Hinzu kommen die Auxiliartruppen mit 10 Kohorten, also noch einmal ca. 5000 Mann. Einschließlich Tross und geringer Kavallerie muss die Gesamtstärke einer Legion mit etwa 11000 Mann angenommen werden. An der Varusschlacht waren 17. 18. und 19. Legion beteiligt.

Wir erreichen pünktlich Bramsche-Kalkriese. Frau Petra Tütting übernimmt unsere Gruppe für die Führung. Sie erläutert im Museumsbereich an einer Deutschlandkarte die oben beschriebenen Ausdehnungsbestrebungen des römischen Reiches, wozu auch Varus mit seinen drei Legionen beitragen soll. Er war im Sommer 9 n. Ch. bis an die Weser etwa im Bereich Minden vorgekommen und wollte von hier das Winterquartier (wahrscheinlich Vetera = Xanten) erreichen. Als Marschweg bot sich der Hellweg an, den schon „der große Historiker Theodor Mommsen 1885“ als Weg der Varuslegionen, dem Nordrand des Wiehengebirges folgend, angenommen hat. 

Copyright  Semper talis Bund, Hptm a.D. Werner Schober 

Der Begriff Marschweg ist irreführend, weil es sich wohl um einen besseren Trampelpfad gehandelt hat. Frau Petra Tütting schildert sehr plastisch die wahrscheinliche Marschlänge der drei Legionen mit Tross und Auxiliartruppen vorne und hinten: etwa 20 km!! Bei einer Marschleistung von ca. 25 km pro Tag hatten die Ersten ihr Marschziel fast erreicht, die Letzten waren gerade abmarschiert. Und schon auf dieser Strecke fanden, wenn auch vorsichtige, Angriffe der Germanen nach Guerillamanier auf den Heerwurm statt.

Da die Germanen nichts Schriftliches hinterlassen haben. müssen wir uns auf die vielleicht gefärbten Aussagen römischer Historiker verlassen. Es sind dies Velleius Paterculus, “Zeitgenosse. Offizier und Germanienkenner“. Anfang des zweiten Jahrhunderts n. Ch. Tacitus und fast gleichzeitig Florus. Schließlich Cassius Dio mit sehr ausführlichen Berichten zum Ablauf der Ereignisse.

 Wir erfahren jedoch nicht, und dies hebt Frau Petra Tütting ausdrücklich hervor, ab wann der römische Offizier und Führer der Auxiliartruppen, Arminius, sich im Cheruskergebiet aufgehalten hat, um den Aufstand gegen Rom vorzubereiten. Er muss dies jedoch mit diplomatischem Geschick und eisernen Nerven bewerkstelligt haben, da es galt, die teilweise auch römerfreundlichen Stämme von der Notwendigkeit des Aufstands zu überzeugen und gleichzeitig Varus gegenüber seine Römertreue zu bekunden. (Konflikt aller Handelnden des 20. Juli 1944!!)

 

Ich beschränke mich jetzt auf die Geländebeurteilung von Pantle für den Ablauf der militärischen Endscheidung am Kalkriese: Er springt ca. zwei Kilometer aus dem sonst relativ geradlinigen Verlauf des Wiehengebirges nach Norden hervor und verengt damit die begehbaren Flugsandflächen des Hellwegs auf ca. einen Kilometer, die ihrerseits nördlich durch ein großes Moor – jetzt Vennenmoor – begrenzt sind. Hier haben die Cherusker ihre Falle aufgebaut, ein etwa 400 m langer Wall am Nordrand des Kalkriese mit Wirkungsmöglichkeiten für ihre Speere auf die vorbeiziehenden Legionäre.

Copyright  Semper talis Bund, Hptm a.D. Werner Schober 

Copyright  Semper talis Bund, Hptm a.D. Werner Schober 

Pantle schreibt, als die Legionäre den Wall erblickten: „Den Römern muß schlagartig klar geworden sein: Das Schlimmste war nicht überstanden, das Schlimmste kam noch. Wir wissen weder, wie viele Soldaten der drei Legionen lebend bis nach Kalkriese gelangten, noch besitzen wir irgendeine Information über die ‚Stärke der Aufständischen’. Die Germanen konnten den Durchbruch römischer Truppen durch den Engpass nicht vollständig verhindern.“ An Hand der archäolgischen Funde muss es einigen Legionären gelungen sein, über die oben beschriebenen Flugsandflächen zu entkommen. An einem Diorama im Museum zeigt uns Frau Petra Tütting sehr plastisch mit Hilfe von kleinen Metallkugeln den gerade geschilderten Ablauf.

Copyright  Semper talis Bund, Hptm a.D. Werner Schober 

Wir starten zu unserer gebuchten Fahrt in die Umgebung des Kalkriese. Dazu gehört nicht, wie vermutet, der Besuch des Hermannsdenkmals, sondern eine Besichtigung der Flugsandflächen, mittlerweile landwirtschaftlich genutzt und nach Norden nicht durch das große Moor begrenzt, sondern durch den Mittellandkanal.

 Der ausgefallene Blick auf die Ausgrabungen des Walls vom Museumsturm wird nach Versicherung von Frau Petra Tütting durch den Blick vom Turm auf dem Venner Berg hinreichend ersetzt. Wir werden nicht enttäuscht. Oben angekommen öffnet sich ein weiter Blick nach Norden. Unmittelbar vor uns fällt der Kalkriese bis zu den Flugsandflächen und dem Mittellandkanal ab. Dahinter die Reste des großen Moores, jetzt Venner Moor. Wir zweifeln nicht daran, dass wir das Gelände der Varusschlacht sehen.

Copyright  Semper talis Bund, Hptm a.D. Werner Schober

Eine eindrucksvolle Führung ist beendet, wir bedanken uns sehr herzlich bei Frau Petra Tütting für die engagierte Darstellung der Ereignisse rund um Kalkriese. Scherzhaft erwähne ich, dass ich doch sehr den Besuch beim oben genannten Hermann vermisse. Ich erwähne, dass ich vor der Exkursion mit einem älteren väterlichen Freund, Fred Zenker, über das geplante Vorhaben gesprochen habe. Er sagte nur: Warte zu Hause auf Post von mir! Erster Inhalt des Briefes: Er sei in den 50ziger Jahren in den Staaten, u.a. in Minnesota unterwegs gewesen und man habe ihm empfohlen, die Stadt New Ulm, gegründet von deutschen Einwanderern, zu besuchen und das von diesen errichtete Denkmal zu besichtigen. Zweiter Inhalt: ein Dia, siehe Bild unten. Mein vermisster Hermann in New Ulm, nachempfunden dem Detmolder Original!

Copyright  Semper talis Bund, Oberstlt a.D. Volker Künanz

Semper talis

Oberstleutnant a. D. Volker Künanz

 

 

                  Exkursion zum westlichen Eckpfeiler der Maginot Linie

                                      „Ouvrage La Ferté sur Chiers“

  

Während der Nachbereitung der Exkursion von 2017 nach Sedan stoße ich in dem schon für diese Exkursion zugrunde liegendem Buch von Karl-Heinz Frieser „Ardennen-Sedan“ und dem Vorgängerbuch des gleichen Schriftstellers „Blitzkrieg-Legende“ auf einen deutlichen operativen Zusammenhang der Ereignisse bei Sedan und dem einzigen Angriff der Wehrmacht während des Frankreichfeldzuges 1940 auf die westlichste Befestigungsanlage der Maginotlinie bei Villy – La Ferté.

 

Ich stelle dies beim ersten Treffen 2018 der Gruppe Rheinland vor, verbunden mit dem Vorschlag, die Exkursion 2018 nach La Ferté durchzuführen. Anfängliche Skepsis, ob dies in einer Tagestour zu schaffen sei, kann ich nach ersten Verbindungsaufnahmen mit dem geplanten Transportunternehmen und dem Leiter der Festungsanlage in Frankreich, Monsieur Dupont, zerstreuen. Die Vorbereitungen sind aufwendiger als zunächst gedacht. 14 E-Mails sind notwendig, um Zeitpunkt und englischsprachige Führung festzulegen. Kamerad Winzen hat sich sehr früh bereiterklärt, die Übersetzung zu übernehmen.

 

So fahren wir am 04.07. von Siegburg los, „Kraftfahrer D“ ist wieder Kamerad Frohwein. An der AS Merl der A 565 nehmen wir Oberstleutnant a. D. Bernhard Wacker MA auf, den wir gebeten haben, bei dieser Exkursion unser Gast zu sein.

 

Kurz vor Erreichen unseres Zieles, von Luxemburg kommend, bei der Durchfahrt durch den ostwärtigen Teil der Ardennen, erfolgt eine Einweisung in die damalige Lage. Wir erinnern uns an die Situation 13./14.05.1940: Das PzKorps Guderian hat die Maas bei Sedan mit 2. PD rechts, 1. PD Mitte und 10. PD links überschritten. Die 10. PD wird bei Stonne am14. und 15.05. in heftige und verlustreiche Kämpfe verwickelt.

 

Die Franzosen haben nicht nur Kräfte in den Bunkern Maginot Linie gebunden, sondern hinter ihr bewegliche Kräfte, die einen Angriff auf sie unter allen Umständen verhindern sollen, um das Schlagwort der Festungssoldaten „on ne passe pas“ (man kommt nicht durch) Wahrheit werden zu lassen. Die Wehrmachtführung befürchtet, dass diese Kräfte die linke Flanke des PzKorps angreifen und damit den Erfolg des gesamten Feldzuges in Frage stellen könnten. Es wird ein Angriff auf das westlichste Bunkersystem der Maginot Linie befohlen: Ouvrage La Ferté sur Chiers, etwa 25 km südostwärts Sedan. Durchführung 71.InfDiv!

 

Die französische Führung muss sich zwischen drei Möglichkeiten des weiteren Vorgehens der deutschen Kräfte entscheiden:

  • weiteres zielstrebiges Vorgehen der Panzer Richtung Kanalküste ohne ausreichenden Infanterieschutz;
  • schwenken der durchgebrochenen Panzerkräfte nach Südwesten auf Paris;
  • weiteres Eindrehen der feindlichen Kräfte um die Maginot Linie von hinten aufzurollen.

Da es sich kein französischer militärischer Führer, gleich welchen Dienstgrades, leisten kann, auch nur ein Stück der Maginot Linie aufzugeben (on ne passe pas!), ist der Entschluss eindeutig: Die beweglichen Kräfte bleiben wo sie sind! Das Ziel der deutschen Heeresführung ist erreicht: einen Angriff in die südliche Flanke der nach Westen strebenden Panzerkräfte zu verhindern. Die Tragödie um die Ouvrage La Ferté sur Chiers beginnt.

                       

Copyright: Semper talis Bund e.V., Hptm a.D. Schober 

 

Wir sind inzwischen am Bunkersystem angekommen, haben uns beim Empfang angemeldet und sehen, bis zum Eintreffen unseres englisch sprechenden Führers – Monsieur Delice - einen Film zur Sensibilisierung auf das Thema: Parallel zu den zeichnerischen Darstellungen der Soldaten werden Briefe der während der Kämpfe gefallener französischer und deutscher Soldaten an ihre Angehörigen verlesen!

 

Copyright: Semper talis Bund e.V., Hptm a.D. Schober 

 

Nach dieser beeindruckenden Einführung „übernimmt“ Mr. Delice. Vom „Dach“ des westlichen Teils der Bunkeranlage (Block II) führen wir eine kurze lagebezogene Geländeorientierung durch. Bereitstellung der für den Angriff befohlenen Kräfte in der Ortschaft Villy etwa 2 km nördlich der Bunkeranlage, von dort vorgehen rechts und links umfassend. Der Weg des schließlich erfolgreichen Pionier Stoßtrupps unter Oberleutnant Germer verläuft aus Villy kommend in Verlängerung der Straße, die wir bis zum Erreichen des Panzerwerks herauf gekommen sind.

 

Bevor wir in den Bunker hineingehen, sehen wir die Wirkung des unterstützenden Artilleriefeuers auf die Panzerglocken. Abpraller und Treffer im rechten Winkel, die alle jedoch nicht kampfentscheidend waren. Selbst nicht die Geschosse der 8,8 cm Flak! Nach einigen erfolglosen Angriffen gelingt es schließlich dem erwähnten Stoßtrupp am 18.05. gegen 1800, eine 40 kg Ladung am Pak Drehturm des Blocks II zu zünden und diesen in Schräglage zu sprengen. Durch diese Öffnung und später aufgesprengte Schießscharten – auch im Block I - werden Sprengmittel und Nebelkerzen in das Innere geworfen, was zu Bränden und zu Explosionen der gelagerten Munition führt.

 

Copyright: Semper talis Bund e.V., Hptm a.D. Schober 

 

Es wird Zeit, die „Ouvrage“ zu betreten und über Folgen für Besatzung und Material zu sprechen. Wir steigen innen zum gesprengten Drehturm auf, sehen die noch vorhandene Pak. Mr. Delice erwähnt, dass auch ohne die Sprengung die Waffenanlage wegen Instandsetzungsarbeiten nicht einsatzfähig gewesen wäre. Er schildert, dass durch die Brände und Explosionen alle lebenswichtigen Systeme ausgefallen sind, vor allen Dingen Strom für Be- und Entlüftung und Beleuchtung. Uns wird die katastrophale Lage der Festungssoldaten zunächst nicht bewusst, weil die Anlage ja beleuchtet ist.

 

Wir steigen über ca 170 Stufen 35m tief in den Verbindungsgang ab um den Block I zu erreichen. Wir gehen an Funktionsräumen vorbei, Küche, Sanitätsbereich, Schlafräume: Doppelstockgestelle jeweils ein Bett für zwei Mann! Teilweise Brandspuren. Überall dort wo es möglich ist, sind in den Funktionsräumen Fotografien der dort eingesetzten Soldaten angebracht. Die Katastrophe erhält Gesichter. Die spärliche Beleuchtung lässt uns nur ansatzweise die Todesahnung der Eingeschlossenen ahnen. Nach endlos langen 300 m müssen wir knapp 30 m nach oben steigen um im Block I anzukommen.

Copyright: Semper talis Bund e.V., Hptm a.D. Schober 

Copyright: Semper talis Bund e.V., Hptm a.D. Schober 

 

Hier versammelt uns Mr. Delice in einem Raum mit Schießscharten und gedeckten Auswurfmöglichkeiten für Handgranaten und erklärt uns, dass der Festungskommandant, Oberleutnant Bourguignon und alle Soldaten wussten, in welcher Gefahr sie sich befanden: Ersticken durch Kohlenmonoxyd. Die Besatzung von Block II versuchte sich durch den etwa 300 m Verbindungsgang zum Block I zu retten und die von Block I umgekehrt. Da die Ouvrage nicht mehr einsatzfähig war, wollte Bourguignon gegen morgen des 19.05. für die Besatzung die Erlaubnis erwirken, sie verlassen zu dürfen. Der zuständige Kommandeur verweigert dies. (On ne passe pas!) Für einen französischen Historiker, der in dem Buch von K.H. Frieser zitiert wird, ist dies eine „monströse Absurdität.“ Mr. Delice zeigt uns die Öffnung, durch die der verzweifelte Bourguignon den Festungsschlüssel in den Diamantgraben (Graben zur Sicherung von Schießscharten) fallen ließ.

 

Copyright: Semper talis Bund e.V., Hptm a.D. Schober 

 

Nach diesem Rundgang entlässt uns hier Mr. Delice buchstäblich in die Freiheit. Wir bedanken uns für die eindrucksvolle Führung. Für Nachfragen ist leider keine Zeit, weil die nächste Gruppe bereits wartet.

 

Copyright: Semper talis Bund e.V., Hptm a.D. Schober 

 

Unterhalb des Blocks II gibt es eine Gedenkstätte „Hommage aux heros de Villy La Ferté Mai 1940“, gegenüber dem Friedhof, auf dem die 107 Festungssoldaten beigesetzt sind. Wir legen den vorbereiteten Kranz des Semper Talis Bundes nieder und gedenken der hier gefallenen französischen Soldaten.

Copyright: Semper talis Bund e.V., OStFw d.R. Weiland

 

Die Frage, ob der Festungskommandant, da nichts mehr einsatzfähig war, entgegen des Befehls seine Untergebenen hätte retten müssen, kann vielleicht Gespächsstoff für interessierte Leser sein.

 

Semper talis

Oberstleutnant a. D. Volker Künanz

 

 

Ardennen – Sedan, eine europäische Schicksalslandschaft

Exkursion der Gruppe Rheinland 2017

 

 

Bereits gegen Ende letzten Jahres wurde bei unseren „Monatstreffen“ die Frage nach der Exkursion 2017 gestellt. Aus persönlichem Interesse hatte ich mir das Buch „Ardennen – Sedan“ mit dem wichtigen Untertitel „Militärhistorischer Führer durch eine europäische Schicksalslandschaft“ beschafft. Da ich wusste, dass diese Exkursion mindestens 2 Tage und deswegen persönlichen finanziellen Aufwand beanspruchen würde, stellte ich diesen Vorschlag zur Diskussion. Die Zustimmung war eindeutig.

 

Der uns von vorherigen Exkursionen bereits bekannte Oberstleutnant a. D. Bernhard Wacker MA erklärte sich bereit, die historische Seite der Exkursion zu übernehmen. In vorbereitenden Gesprächen und in Anlehnung an das oben genannte Buch legten wir fest, dass zwar die gesamte historische Palette zu berücksichtigen sei, der Schwerpunkt jedoch beim Jahr 1940 liegen muss, und hierbei besonders die Leistungen der vorne eingesetzten Infanterie- und Pionierkräfte darzustellen seien.

 

Wir starten wie geplant am 05. Juli um 08.00 Uhr aus der Brückberg-Kaserne. Während der Fahrt erläutert Oberstleutnant a. D. Bernhard Wacker MA die Gesamtplanung des Frankreichfeldzuges und dass wir deswegen das im Schwerpunkt eingesetzte XIX. Armeekorps (Guderian) mit seinen 3 PzDiv – 2. PD rechts, 1. PD Mitte, 10. PD links – besprechen werden. Wir verzichten aus Zeitgründen auf die Darstellung der Anmarschwege der deutschen Kräfte durch Eifel und Luxemburg und erreichen gegen Mittag den ersten Besprechungspunkt bei Petit Voir. Historische Zeit: 11.05.1940 09.30 - 15.00 Uhr.

 

Das vorne eingesetzte PzRgt 2 der 1. PzDiv umgeht – anders als von den Franzosen erwartet – Neufchâteau südlich und stößt direkt auf Petit Voir vor, wo sich der Gefechtsstand der französischen Verzögerungskräfte befindet. Da die Deutschen hier über keine Infanteriekräfte verfügen, entsteht ein Gefecht mit ungewissem Ausgang. Dies ändert sich jedoch als das etwas zurückhängende PzRgt 1 erscheint und nicht, zur Überraschung der französischen Verteidiger, in den Kampf eingreift, sondern das eingeschnittene Gelände ausnutzt, Petit Voir südlich umgeht, den Rückzugsweg der Franzosen Richtung Bertrix abschneidet und damit das Gefecht entscheidet. Die Verzögerungslinien 2 und 3 sind innerhalb von 6 Stunden durchbrochen.

 

 

Der Weg nach Bouillon - der Stadt, deren strategische Bedeutung schon Gottfried von Bouillon im Mittelalter durch den Bau der auch heute noch gut erhaltenen Festung erkannt hatte - war frei! Bereits um 18.30 Uhr sind erste gepanzerte Kräfte in Bouillon, können jedoch nicht verhindern, dass beide Brücken über die Semois von den Franzosen gesprengt werden. Eine Furt oberhalb der nördlichen Brücke „Pont de Liege“ ermöglicht es, wenn auch nur kurzfristig, ins Zentrum einzudringen.

 

Wir nutzen den Aufenthalt in Bouillon zur persönlichen logistischen Ergänzung in einem Café an der Pont de Liège gegenüber dem Hotel de la Poste, in dem Napoleon III sich aufhielt und mit dem Ausruf „Ab nach Kassel“ in seine Internierung nach Kassel - Wilhelmshöhe geschickt wurde.

 

 

Wir verlassen Bouillon am frühen Nachmittag zum nächsten Besprechungspunkt, dem „Maison forte St Menges“ etwa 3 km nördlich der Ortschaft St.Menges. Kurz hinter der Grenze zu Belgien haben die Franzosen eine „Ligne des Maisons forte“, als Wohn- oder Wirtschaftshäuser getarnte Bunker, angelegt. Historische Zeit: 12.05.1940 10.00 Uhr. Vorderste Teile PzRgt 2 mit unterstellten Teilen SchtzRgt 1 treffen auf den getarnten Bunker und können ihn nehmen, erreichen um 14.30 Uhr die Ortschaft St. Menges und um 18.15 Uhr das diesseitige Maasufer nordwestlich Sedan bei Floing.

 

 

Wir selbst begeben uns zwischen den Ortschaften St Menges und Floing abseits der Straße auf eine Höhenrippe. Der Blick geht über das Maastal hinweg auf das gegenüber liegende Gelände mit der Höhe 301, von der Moltke „der Ältere“, Generalstabschef des preußischen Heeres, den Verlauf der Schlacht am 01.09.1870 verfolgt hat, deren siegreiche Beendigung schließlich zur Gründung des deutschen Reiches führte – europäische Schicksalslandschaft eben!

 

Am späten Nachmittag stehen auch wir an der Maas. Unser letzter Besprechungspunkt des Tages, bei der Ortschaft Gaulier, der „Lücke von Gaulier“, einer der vorgesehenen Übergangsstellen für die 1. PD. Oberstleutnant a.D. Wacker benennt, im Gelände gezeigt, die für den 13.05.1940 geplanten Übergangsstellen des XIX. AK: 2500 südwestlich bei Donchery 2. PD, hier bei uns und Nordwestrand Sedan 1. PD und Südwestrand Sedan und weiter maasaufwärts 10. PD.

 

Wir beziehen unsere Unterkunft im Kyriad in Sedan, 3Sterne, Teilnehmerbewertung: Abendessen Salat, Hauptspeise, Nachspeise 19,20 €, Bier 0,33 kalt/warm 4,20 €, Frühstück i.O., Zimmer Geschmacksache.

 

Nach dem Frühstück am 06.07. beginnt um 09.00 Uhr die Fortsetzung der Exkursion zunächst an den Sedan nahen Übersetzstellen, für die ab jetzt der befohlene Übersetzbeginn in historischer Zeit gilt: 13.05. 1940 16.00 Uhr.